Leberchirurgie
Eine Operation, bei der ein Teil der Leber entfernt werden muss, kann sowohl aufgrund einer gutartigen als auch einer bösartigen Erkrankung der Leber notwendig werden. Die in den letzten Jahren gemachten großen Fortschritte in der Narkoseführung, Schmerztherapie und vor allem auch der chirurgischen Technik haben zu einer deutlichen Senkung des Operationsrisikos geführt. Gleichzeitig sind selbst ausgedehnte Operationen, bei denen mehr als die Hälfte des Lebergewebes entfernt wird, zur Routine geworden.
Zu den gutartigen Lebererkrankungen, die eine Operation notwendig machen können, zählen:
- Blutschwämme (Hämangiome)
- Fokale noduläre Hyperplasien (FNH)
- Bandwurmerkrankungen
- (symptomatische) Leberzysten
- Leberzelladenome.
Bei den bösartigen Tumoren der Leber wird zwischen den primär in der Leber entstehenden Karzinomen der Leberzellen (hepatozelluläres Karzinom) oder der Gallenwegsepithelien (cholangiozelluläres Karzinom) sowie den Absiedlungen (Metastasen) anderer Tumoren unterschieden.
Gerade für Patienten mit Metastasen eines Dickdarm- oder Mastdarmkarzinoms haben sich dank der Entwicklungen in der Leberchirurgie die Behandlungsoptionen und damit auch die Überlebenschancen in den letzten Jahren deutlich verbessert. Während das mediane Überleben bei diesen Patienten ohne Behandlung bei nur 4,5 Monaten liegt und auch mit einer modernen Chemotherapie lediglich auf 20 Monate ausgedehnt werden kann, führt die vollständige Entfernung der Metastasen zu 5-Jahres-Überlebensraten von über 50 %.
Gute Überlebensergebnisse werden mit der chirurgischen Behandlung auch erzielt, wenn mehrere Lebermetastasen vorhanden sind und selbst dann, wenn sich diese in beiden Leberlappen befinden. Allerdings kann es zum Erhalt einer ausreichenden Leberfunktion notwendig sein, die Metastasenentfernung auf zwei Operationen mit einem Intervall von 6-8 Wochen aufzuteilen.
Bedauerlicherweise entwickeln bis zu 75 % der Patienten mit Lebermetastasen eines Dickdarm- oder Mastdarmkarzinoms innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Leberoperation erneute Lebermetastasen. Auch für diese stellt die Operation grundsätzlich eine Therapieoption dar.
Die vielfältigen Möglichkeiten der modernen Leberchirurgie von der so genannten nicht-anatomischen Entfernung eines Gewebskeils bis zur erweiterten Resektion von mehr als 60 % des Lebergewebes erlauben - in Verbindung mit unterschiedlichen Chemotherapiekonzepten und zusätzlichen interventionellen Behandlungsformen (z.B. der Radiofrequenzablation) - eine individuelle Behandlung. Diese wird in leberchirurgischen Zentren interdiziplinär unter Beteiligung spezialisierter Gastroenterologen, Onkologen, Radiologen, Nuklearmediziner und Pathologen verantwortet.
Vor jedem leberchirurgischen Eingriff steht eine umfangreiche Diagnostik, die häufig auch moderne Schnittbildverfahren (Computertomographie und Kernspintomographie) mit Volumenmessung, 3D-Rekonstruktion u.a. einschließt.
Die Universitätsmedizin Göttingen hält alle erforderlichen Fachdisziplinen, insbesondere eine leberchirurgisches Team auf einem international angesehenen Niveau vor. Die umfangreiche klinische Begleitforschung ist Garant für die Berücksichtigung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und die Anwendung innovativer Therapieoptionen.
