Optimierungsstrategien für den klinischen Einsatz der Leberzelltransplantation

Die Lebertransplantation ist gegenwärtig die einzig verfügbare Therapie im fortgeschrittenen Stadium von chronischen Lebererkrankungen, in der Korrektur genetischer Störungen und in der Behandlung des akuten Leberausfalls. Der großen Zahl von Patienten, die auf eine lebensrettende Transplantation warten, steht derzeit aber eine begrenzte Verfügbarkeit von geeigneten Spenderorganen gegenüber. Die Entwicklung neuer Therapieansätze in der Transplantation ist daher dringend notwendig. Eine wegweisende Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten könnte in naher Zukunft durch die Entwicklung und den klinischen Einsatz von Zelltherapieverfahren gelingen. Eine der Möglichkeiten zum alternativen Leberersatz stellt die funktionelle Repopulation des erkrankten Organs durch transplantierte Zellen dar, um die biologische Funktion des geschädigten Organs zu verbessern oder gar zu reparieren.

Als primäre Indikation für die Zelltherapie kämen insbesondere Krankheiten mit nur geringem Leberschaden wie hereditärer Stoffwechseldefekte (z.B. Crigler-Najjar-Syndrom), Defekte der Harnstoffsynthese oder die familiäre Hypercholesterinämie in Betracht. Spenderleberzellen würden nach Infusion über das Pfortadersystem in ein weitgehend intaktes Lebergerüst implantieren und hätten dort günstige Voraussetzungen zum Anwachsen in Abhängigkeit von der Konditionierung (vorbereitendenden Stimulation) der Empfängerleber. Da aber auch hochwertige Hepatozyten als Zellressource limitiert sind, müssen Strategien zur Optimierung der Leberzelltransplantation entwickelt werden. Folgende experimentelle Ansätze werden untersucht:


  1. Das Empfängerorgan wird so konditioniert, dass die wenigen, transplantierten Zellen gegenüber den endogenen Leberzellen einen selektiven Wachstumsvorteil mit dem Ziel der quantitativen Organrepopulation erhalten.
  2. Die Spenderzellen werden vor der Transplantation vermehrt und/oder auf die Integration und Proliferation in der Empfängerleber vorbereitet.

In der Arbeitsgruppe werden experimentelle Techniken zur Leberzelltransplantation mit anschließender Organrepopulation im Rattenmodell entwickelt. Als konditionierender Stimulus wird die Empfängerleber mit Retrorsin (Agens zur Blockierung der endogenen Leberzellteilung), selektiver Leberbestrahlung und Leberteilresektion oder regionaler Ischämie vorbehandelt. In Kooperation mit Prof. Irmelin Probst wird das "Stammzell- und Differenzierungspotential" adulter Hepatozyten in vitro und in vivo untersucht.

 


Große Cluster von Spenderzellen sind 16 Wochen nach Transplantation in der Empfängerleber (nach Vorbereitung mit Bestrahlung und Leberteilresektion) darstellbar. Immunfluoreszenzfärbungen zum Nachweis der DPPIV-positiven Spenderzellen in rot, interzelluläre Kontakte (Connexin 32) in grün und Kernfärbung mit DAPI in blau, Originalvergrößerung 100-fach.

 


Mikroanatomische Architektur der Leber mit Leberstammzellen (Ovalzellen), die in räumlicher Assoziation zum Portalfeld kurz vor Einmündung der kleinen Gallengänge proliferieren. Die Leber ist aus hexagonalen Läppchen aufgebaut, die in der Peripherie von Portalfeldern begrenzt werden und im Zentrum die Zentralvene aufweisen

 

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